Thoreau

GKD12-Blog, Teil 9: Henry David Thoreau

Wer hat Recht? Der Staat oder Ich

Zunächst ist das Recht dem Gewissen gleichzusetzen. Sollte man dieses an den Staat abtreten und ihn in Form von Gesetzen für „Gerechtigkeit“ sorgen lassen?!

Diese These ist für viele Verbrecher wahrscheinlich Musik in den Ohren, jedoch für Philosophen, wie Henry David Thoreau, eine ernstgemeinte Frage …

Bei meiner Recherche ist mir ein Bezug zu unserer heutigen Zeit (Covid-19, etc.) und zur Bibel aufgefallen. Ich bin auch nicht der erste, der sich mit dem Thema beschäftigt hat (https://www.zeit.de/1983/43/ueber-die-pflicht-zum-ungehorsam). Dieser Artikel ist zwar sehr ausführlich, dennoch Grundlage meiner Information und ernsthaft zu empfehlen.

Der zu Beginn formulierten These stand der Philosoph sehr kritisch gegenüber. Hierbei trennt er die drei Instanzen der Psychoanalyse nach Sigmund Freud. An das Ich appelliert er und das Über-Ich (Die Gesetze des Staates) kritisiert er. Seiner Auffassung nach bringt die Befolgung des Gesetzes keine Gerechtigkeit und diejenigen, die dies tun, sind Handlanger des Unrechts.

Krass … somit stellt er 2 unserer 3 Gewalten komplett in Frage.

Wiederum das, was einem selber gerecht erscheint, ist nach Henry David Thoreau richtig. Das Gewissen steht also nach ihm über dem Gesetz und der Mensch solle sich nicht vom Staat maßregeln lassen. Schließlich kann der Mensch ja auch nicht den Spieß umdrehen und den Staat maßregeln 😉

Schon in der Bibel sind Schriften zu finden, die aufzeigen, dass das Gesetz nicht gerecht ist, sondern viel mehr Gebote, die schließlich an das Gewissen appellieren (https://bibeltext.com/romans/7-). Hieraus resultiert bloß ein sehr großes Problem unserer heutigen Zeit. Das Gewissen wurde uns in Großteilen vom Staat genommen, was besonders in Krisenzeiten deutlich wird.
In diesen Tagen, wo das Virus Covid-19 eine übergeordnete Rolle spielt, fühlen sich manche Menschen als Schwerbrecher, weil sie einkaufen gehen und ihre eigenen vier Wände verlassen. Klar ist es wichtig, die Verbreitung des Virusses einzuschränken, jedoch wird derzeit eine Panikwelle ausgelöst, die die Menschen zu Überreaktionen verleitet (z.B. Hamsterkäufe) …
Diese Überreaktionen begründen sich gerade darin, dass eine Mehrheit ihr Gewissen an den Staat abgetreten hat und gar nicht mehr zur eigenen Beurteilung der Situation im Stande ist. Zeit an der frischen Luft (zwar nicht in großen Gruppen) ist wichtiger als je zuvor und wichtig für unsere Psyche.
Gerade diese Mehrheit wird durch den oben verlinkten Zeitungsartikel kritisiert. Diese vereinte Masse habe kein Gewissen und sei Grundlage für das Handeln des Staates. Vielmehr sollte dieser den Menschen Raum zum Urteilen lassen, denn unter diesen (unterdrückten) Umständen gäbe es keine Gerechtigkeit. Der Wille des Menschen sei zwar gegeben, jedoch ist es die Unwissenheit, die die breite Masse verleitet, dem Staat anstandslos Folge zu leisten.
Letztlich ruft der Text zur Revolution auf, um die derzeitigen Umstände zu ändern.
Meiner Meinung nach ist das Ganze zwar etwas überspitzt dargestellt, jedoch sind wichtige Aspekte enthalten, die die These von Henry David Thoreau unterstützen. Gerade der Appell an das eigene Gewissen und der geforderte Raum zum Urteilen sind wichtig, um gerechte Entscheidungen zu treffen. Letztlich ist jedoch festzuhalten, dass es fraglich ist, ob jeder überhaupt ein Gewissen besitzt, wenn man dies als Grundlage der Gerechtigkeit heranzieht. Gerade terroristische Taten ohne anschließende Reue (Anschläge von Anders Behring Breivik in Norwegen 2011) sind Grundlage dieser Frage.
Dennoch steht aber auch fest, dass nicht solche Menschen über unsere Gerechtigkeit urteilen sollten.

Als abschließender Appell sollte sich aber auch jeder bewusst sein, dass Gerechtigkeit im Auge des Betrachters liegt und es deswegen schwierig ist, dies zu verallgemeinern.

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